Lewis, Beverly: Die Erlösung der Sarah Cain (Artikelnummer: 9783868272185)
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Wenn wir nur in uns selber in Ordnung wären, dann würden wir viel mehr Freude an den Dingen dieser Erde haben. (Seite 189)

 

Cover: Der NachsommerZum Inhalt

In guten Verhältnissen in einem Kaufmannshaus in Wien aufgewachsen, möchte der Sohn sich der Geologie widmen. Da er finanziell abgesichert ist, kann er es sich leisten, jeden Sommer ins Gebirge zu reisen und seine Nachforschungen anzustellen.
Dabei kommt er eines Tages in ein Haus, dessen Wand über und über mir Rosen bewachsen ist. Der Asperghof, um diesen handelt es sich, wird von einem älteren Mann bewirtschaftet, der den Wanderer freundlich aufnimmt. Es entsteht im Laufe der Zeit eine tiefe Freundschaft, die von gegenseitigem Respekt getragen wird.
Jedes Jahr wird der junge Mann nun eine gewisse Zeit auf dem Asperghof verbringen, wo er auch Mathilde und ihre Tochter Natalie kennen lernt, zu denen sein Gastfreund in einem nicht näher bestimmten Verhältnis steht.
Im Laufe der Zeit lernen sich alle besser kennen, der Jüngling reift zum Manne heran und die Verhältnisse beginnen sich zu klären. Und immer deutlich wird, welcher Sommer hätte sein können, hätte es je einen gegeben.

 

 

 

Meine Meinung

Es ist so eine Sache, ein Buch, das vor zig Jahren (in meinem Falle über zwanzig) gelesen wurde und seither von einem fast überirdischen Erinnerungsglanz umgeben ist, erneut zu lesen. Groß ist die Gefahr, daß das Buch heute ganz anders gesehen und die Erinnerung im günstigsten Falle etwas beschädigt, im schlimmsten zerstört wird. Vor einigen Jahren hatte ich das mit meinem - noch immer - Lieblingsbuch, nämlich Gustav Freytags „Die verlorene Handschrift“. Da hat das Wiederlesen nach über fünfzehn Jahren die Erinnerung und den Podestplatz endgültig bestätigt. Insofern bin ich guten Mutes an den „Nachsommer“ gegangen, doch leider blieben hier einige Kratzer auf dem Erinnerungsbild zurück.

Denn selbst mir, der ich lange Sätze, ausführliche bis ausufernde Beschreibungen oder vor allem eine langsame Entwicklung der Handlung bevorzuge, wurde es im Verlauf des Buches denn doch etwas zu viel, zu viel der Langsamkeit und zu viel des fast schon überirdischen, am praktisch ohne jedes noch so kleine Wölkchen am strahlenden Himmel, Glanzes. Denn den Figuren gelingt alles ohne jede Schwierigkeit; wie man deren Pensum in einem 24-Stunden-Tag unterbringt, von dem noch etliche Zeit für so profane Dinge wie Essen oder Schlafen verwendet werden muß, würde ich zu gerne wissen und anwenden - es würde mein Leben ungemein erleichtern.

Aber all das war vergessen, als es ins letzte Drittel des Buches ging; ab da entsprach der „Nachsommer“ dann wieder meiner Erinnerung, sowohl handlungsmäßig als auch das Leseempfinden betreffend. Durch das ganze Buch hindurch, aber ab jetzt für meine Begriffe besonders, merkt man immer wieder, daß es in einer ganz anderen Zeit geschrieben wurde und auch in einer ganz anderen solchen als unsere heutige spielt. Hinzu kommt, daß Stifter vermutlich eine Welt und ein Leben beschreibt, wie er es gerne geführt hätte, ihm aber verwehrt war. Vor allem an Stellen, in denen es um Bildung oder Erziehung geht, habe ich mich immer wieder gefragt, ob Stifter hier seine Erfahrungen und Ansichten aus seiner Tätigkeit als Schulrat mit ins Buch eingeflochten hat.

Wieder und wieder wird deutlich, wie sehr die Welt des Buches sich von der unserer Tage unterscheidet. Will man eine Nachricht übermitteln, kann man weder zum Telefon greifen noch ein E-Mail senden. Unter Umständen bleibt einem nichts anderes übrig, als selbst zum Adressaten zu reisen und die Botschaft persönlich auszurichten, selbst wenn das eine Mehrtagesreise bedeutet. Und auch eine solche Reise erfordert ihre Zeit - das Leben war ein langsameres.

Und doch hat Stifter anscheinend schon gegen Tendenzen seiner Zeit angeschrieben, wie das Nachwort meiner Ausgabe nahelegt. Denn Stifter fühlt sich „im schroffen Gegensatz zu seiner Zeit, besser gesagt zu einer Tendenz, die sich anschickt, nicht nur die Literatur, sondern auch das Leben der Menschen maßgebend zu bestimmen.“ (S. 741) So gesehen, ist der „Nachsommer“ fast schon wieder modern und hochaktuell.

Am Ende war es doch sehr lohnend, das Buch wieder gelesen zu haben. Auch wenn der Erinnerungsheiligenschein ein paar Kratzer bekommen hat, so ändert dies nichts daran, daß dies der Roman ist, dessen Autor das beste Deutsch schreibt, das ich je gelesen habe. Ein Roman, der (nach des Autors eigener Äußerung) zeigt, „welch ein Sommer hätte sein können, wenn einer gewesen wäre.“ (S. 739) Ein Satz, der so manchen nicht mehr ganz jungen Leser möglicherweise ins Nachdenken über den „eigenen Sommer“ zu bringen vermag.

 

Mein Fazit

Nach über zwanzig Jahren seit dem ersten Lesen hat der strahlende Erinnerungsglanz zwar ein paar Kratzer bekommen, nichtsdestotrotz ein Roman, wie aus der Zeit gefallen, der eine Welt aufzeigt, in welcher der Begriff „Hektik“ ein Fremdwort ist und man durchaus ins Grübeln kommen kann, ob die gute alte Zeit nicht doch genau das gewesen ist. Ein Buch, das ich - trotz der "Kratzer" - gewißlich ein weiteres Mal lesen werde.

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Über den Autor

Adalbert Stifter wurde 1805 in Oberplan im Böhmerwald als Sohn armer Leute geboren. Er besuchte das Gymnasium des Benediktinerstifts in Kremsmünster; sein späteres Jurastudium hat er abgebrochen. Seit 1850 war er als Beamter tätig, wurde Inspektor der oberösterreichischen Volksschulen und Schulrat, später wurde er zum Konservator für Oberösterreich ernannt.
Am 25. Januar 1868 schnitt er sich des Nachts die Halsadern auf, an den Folgen verstarb er am 28. Januar 1868.

Bibliographische Angaben meiner gelesenen Ausgabe

764 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag
Verlag: Bertelsmann Club, Gütersloh oJ (1978)
Jubläumsbibliothek der Deutschen Literatur, Adalbert Stifter: Werke in 4 Bänden, Band 2. Vollständige Ausgabe nach dem Text der Erstausgabe von 1857. Mit einem Nachwort von Fritz Krökel und Anmerkungen von Karl Pörnbacher

 

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